Blog

Welche CAD-Daten braucht ein 3D-Visualisierungsstudio?

DWG, RVT, IFC, SKP, PDF, BIM, vermasste Skizzen — was funktioniert, was kostet einen Tag mehr, was geht gar nicht? Ein praktischer Leitfaden für Architekten und Bauträger.

Welche CAD-Formate akzeptiert ein 3D-Visualisierungsstudio?

Sieben Eingabeformate sind heute Standard: DWG (AutoCAD), RVT (Revit), IFC (BIM-neutral), FBX (3D-Austausch), OBJ (3D-Austausch), SKP (SketchUp), 3DM (Rhino). PDF als Fallback. Stark abweichende Formate (DXF mit ungewöhnlichen Versionen, alte ArchiCAD-Files vor Version 18) erfordern Konvertierung mit zusätzlichem halben Arbeitstag.

In 15 Jahren habe ich praktisch jede Variante gesehen — handgezeichnete Skizzen aus dem 1970er-Jahren, perfekte Revit-Modelle, gescannte Blaupausen, AutoCAD-Files mit jahrzehntealten Layern. Hier ist, was zählt: nicht das Format, sondern die innere Struktur des Files.

Was unterscheidet ein gutes von einem schlechten CAD-File?

Drei Kriterien:

Layer-Disziplin. Ein File mit 200+ Layern, die wahllos “Hilfslinien”, “Bestand”, “Neu”, “alt”, “Layer1”, “Layer2” heissen, ist Arbeit für uns. Ein File mit klaren Layern (SIA-Norm: A_Wand, A_Fenster, A_Tür) lässt sich in Minuten in 3D übertragen.

Geometrische Sauberkeit. Wände, die als Polylinien gezeichnet sind, lassen sich automatisch zu Volumen extrudieren. Wände, die als Sammlungen einzelner Linien (ohne Polylinien-Verbindung) gezeichnet sind, müssen einzeln re-modelliert werden. Das kostet 30 Minuten pro Geschoss extra.

Massnahmen-Bemassung. Wenn die Bemassungen assoziativ sind (an die Geometrie gekoppelt) und sich automatisch aktualisieren — ideal. Wenn sie Text-Overlays sind, die manuell platziert wurden — wir müssen jede Bemassung manuell verifizieren.

Welches Format funktioniert am besten?

In Reihenfolge der Bequemlichkeit:

1. Revit (RVT) oder ArchiCAD (PLN, IFC). Wenn das Projekt in BIM modelliert ist, haben wir die komplette Geometrie inklusive Materialdefinitionen, Wandstärken und Geschossen. Konvertierung zu 3ds Max nimmt 30 Minuten und liefert sofort arbeitsfähiges Modell. Für komplexe Mehrfamilienhäuser empfehlen wir BIM-First, wenn dein Architekturbüro damit arbeitet.

2. AutoCAD (DWG/DXF) mit sauberen Layern. Wenn die Layer-Struktur folgt der SIA 400 oder einer ähnlichen Norm, ist DWG nahezu so gut wie BIM. Konvertierung 1 bis 2 Stunden, dann arbeitsfähig.

3. SketchUp (SKP). Wenn das 3D-Modell bereits in SketchUp existiert, importieren wir direkt in 3ds Max. Nicht die schönste Geometrie (SketchUp neigt zu Triangulation-Mess), aber funktioniert.

4. PDF (Pläne). Funktioniert, kostet aber einen halben Tag Re-Modellieren. Wir messen die Pläne digital nach und bauen die Geometrie neu in 3ds Max. Bei einfachen Projekten (Einfamilienhaus) ist das ok. Bei komplexen Projekten (Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage) wird der Aufwand schnell signifikant.

5. Handzeichnungen, Skizzen. Funktionieren als ergänzendes Material, aber nicht als alleinige Quelle. Wir bitten dann um ein Aufmass vor Ort oder eine PDF-Skizze mit Hauptmassen.

Was muss für Aussenrenderings dabei sein?

Zusätzlich zu den Plänen:

Geländekontext. Eine topografische Karte (TIFF mit Höhenlinien, DWG, oder eine GIS-Schnittstelle wie OpenTopography). Ohne diese arbeiten wir mit Standardgelände — was bei flachen Lagen ok ist, aber bei Hanglagen oder steilen Standorten dramatisch falsch wird.

GPS-Koordinaten. Mindestens auf 100 m genau, idealerweise mit Längen- und Breitengrad. Das brauchen wir für korrekte Sonnenstudien.

Nachbarbebauung. Wenn das Projekt in einer Stadt ist, hilft eine DWG- oder GIS-Datei der umliegenden Volumen. Alternativ: wir holen das aus OpenStreetMap oder Schweizer Cadaster-Daten. Letzteres kostet ca. 1 Stunde Extra-Setup.

Bepflanzungsplan. Falls ein Landschaftsarchitekt im Projekt involviert ist, sein Plan (DWG oder PDF) bestimmt, welche Bäume und Sträucher wir rendern. Ohne Bepflanzungsplan wählen wir Standardpflanzungen, was Käufer manchmal als „nicht realistisch” empfinden, wenn der echte Plan später anders aussieht.

Was muss für Innenrenderings dabei sein?

Wandhöhen. Aus Schnittplänen lesbar. Standard 2,5 m bei modernen Wohnungen, aber Premium-Bauten haben oft 2,7 m oder mehr. Falsche Wandhöhe macht den Raum zu eng oder zu hoch wirken.

Tür- und Fenstertypen. Ob es Schiebefenster, Schwingfenster, bodentiefe Verglasung sind, ist visuell entscheidend. Pläne mit „nur ein Strich für Fenster” zwingen uns zu Annahmen.

Bodenbelagsspec. Welcher Boden — Parkett, Travertin, Fliesen, Mikrozement? Welche Verlegerichtung? Welche Fugenfarbe? Diese Details unterscheiden eine professionelle von einer generischen Visualisierung.

Beleuchtungsplan. Wenn ein Lichtplaner im Projekt ist, sein Plan (mit Leuchtenmarken, Position, Watt-Angabe) führt zu deutlich realistischeren Beleuchtungssimulationen. Ohne Plan platzieren wir Standardbeleuchtung (deckenmontierte Spots, Standardküchenleuchten).

Wie sendet man die Dateien sicher?

Sicherer Upload. Wir empfehlen drei Optionen, in Reihenfolge der Sicherheit:

  1. Unser End-to-End-verschlüsselter Upload-Link — wir senden einen einmaligen Link, Files werden direkt in unseren EU-Server geladen, nach Projektende automatisch gelöscht.
  2. Ein privater Cloud-Ordner (Google Drive, Dropbox, OneDrive) mit Zugriffsrechten nur für uns. Wir verifizieren, dass der Ordner-Link nicht öffentlich ist.
  3. E-Mail-Anhang — funktioniert für kleine Files (< 25 MB), aber für komplexe BIM-Modelle (100+ MB) ungeeignet.

NDA wird vor jedem File-Transfer unterzeichnet. Standardverfahren, unsere Vorlage oder eure — wir sind flexibel.

Was passiert, wenn das CAD-File während des Projekts geändert wird?

Material- und Oberflächenänderungen können wir nachträglich umsetzen ohne neue Modellierung. Geometrieänderungen — Fenster verschoben, Wand entfernt, Stockwerk dazu — bedeuten neue Modellierung. Das ist kein Drama, aber zähle es zum Aufwand.

Tipp: liefere uns das CAD-File erst, wenn die Architektur in der Ausführungsplanung ist (nicht mehr in der Konzeptphase). Konzept-Änderungen passieren typischerweise vor der Visualisierung — wir wollen die endgültige Geometrie rendern, nicht eine Zwischenstufe.

Was wenn ich nur eine Skizze habe?

Funktioniert, kostet ein Aufmass vor Ort oder eine Re-Modellier-Session. Für Schweizer Projekte: wir können einen Aufmass-Termin organisieren (Laserscanning für genaue Bestandsmessung, klassisches Bandmass für einfachere Fälle). Kosten: CHF 800–1,500 pro Geschoss inkl. Anreise innerhalb der Schweiz. Das ist günstig im Vergleich zur Zeit, die wir sonst rätselraten würden.

Fazit

Gute CAD-Daten sind kein Luxus — sie sind die Grundlage für ein effizientes Projekt. Ein scharfes RVT-File macht aus einem 14-tägigen Projekt ein 7-tägiges. Ein chaotisches DWG macht aus einem 7-tägigen Projekt ein 12-tägiges. Die Mathematik ist eindeutig.

Hast du Pläne, die du senden möchtest? Sende sie an uns — wir geben Feedback zur File-Qualität und schätzen den Aufwand innerhalb von 24 Stunden ein.

Hat dieser Artikel deine Fragen nicht beantwortet?

Sende ein Briefing — wir kommen mit Festpreis-Offerte und Liefertermin innerhalb 24 Stunden zurück.